Por­trait­se­rie: 3 Fra­gen an Ber­li­ner Aktivist*innen

Bjarne Utz

#sicht­bar­so­li­da­risch

Bjarne Utz #sichtbarsolidarisch

Sicht­bar soli­da­risch! Lesbisch*.Sichtbar.Berlin stellt 3 Fra­gen an Ber­li­ner Aktivist*innen. Die Viel­falt und die lange Geschichte des les­bi­schen* und quee­ren Akti­vis­mus in Ber­lin beruht auf dem gro­ßen Enga­ge­ment vie­ler Men­schen. Mit unse­rer Por­trait­se­rie möch­ten wir einige von ihnen würdigen.

 

Name: Bjarne Utz

 

Kurz­vor­stel­lung 

Hallo! Ich bin Bjarne und setze mich seit über 20 Jah­ren ehren­amt­lich für die Rechte von LGBTQI* Men­schen ein.

Als Teil der Drag­king-Gruppe „Kingz of Ber­lin“ habe ich sei­ner­zeit für das Hin­ter­fra­gen von Geschlech­ter­kon­struk­tio­nen und von Zwei­ge­schlecht­lich­keit gekämpft — damals noch im weib­li­chen Kör­per und in einer les­bisch defi­nier­ten Liebesbeziehung.

Heute lebe ich immer noch in der sel­ben Bezie­hung als Trans­mann und enga­giere ich mich bei BÜND­NIS 90 / DIE GRÜ­NEN als Spre­cher* der LAG Queer­Grün Bran­den­burg, um die Queer­ness auch außer­halb von Bal­lungs­zen­tren sicht­bar und leb­bar zu machen.

Mein Her­zens­thema ist das Empowern jun­ger Queers, damit sie selbst­be­stimmt und selbst­be­wusst ihr Leben leben können.

 

Was bedeu­tet les­bi­sche* Sicht­bar­keit für dich?

Ich möchte gern mit Gegen­fra­gen antworten.

Warum ste­cken wir “les­bi­sche Sicht­bar­keit“ in die Schub­lade einer offen­sicht­li­chen Weib­lich­keit und warum sollte uns gerade diese Frage umtreiben?

Kann ein Trans­mann oder eine Trans­frau für les­bi­sche Sicht­bar­keit stehen?

Und darf eine Lesbe, die mit einem nicht-binä­ren Trans­mann zusam­men ist, immer noch eine Lesbe sein, oder sollte ihr das Recht auf Selbst­de­fi­ni­tion und Selbst­be­stim­mung ent­zo­gen wer­den und sie muss sich ab sofort nur noch hetero definieren?

Und wer darf das über­haupt bestimmen?

Fra­gen über Fragen…

 

Wel­che Idee wür­dest du gerne verwirklichen?

Ich würde gern die Idee eines Men­to­rings mit dem Titel „walk a mile in my shoes“ ver­wirk­li­chen, bei der Men­schen mit Men­schen kom­plett ande­rer Ein­stel­lung für einen Monat als Tan­dem die Wirk­lich­keit der Per­son erle­ben, die sie ableh­nen oder Schwie­rig­kei­ten damit haben, deren Argu­mente zu verstehen.

Ich denke, das würde einige Fron­ten auf­wei­chen, wenn nicht sogar ver­schwin­den lassen.

Das Erle­ben steht noch immer über dem rei­nen Zuhö­ren und auch über dem Verstehen.

 

Deine Wün­sche an die Ber­li­ner LSBTIQ*-Community…

SOLI­DA­RI­TÄT! Ich kann es nicht groß genug schrei­ben. Auch in der Blase vul­nerabler Grup­pen gibt es ein Privilegiengefälle.

Ich würde mir mehr Selbst­re­fle­xion der eige­nen Vor­teile wün­schen und ein empha­ti­sches Mit­den­ken und Han­deln inner­halb unse­rer Community.

Ein Hin­ter­fra­gen des Schub­la­den­den­kens — wer gehört in wel­che Gruppe und wer darf oder kann nicht dazu gehö­ren — könnte im bes­ten Fall dazu füh­ren, sowohl die Gemein­sam­kei­ten als auch die Unter­schiede ein­zel­ner Men­schen oder Grup­pie­run­gen als Stär­kung der Com­mu­nity zu verstehen.

Tun wir dies nicht und/oder befeu­ern wir wei­ter­hin die Nicht­be­ach­tung oder sogar Aus­gren­zung bestimm­ter Men­schen, schwä­chen wir uns selbst und öff­nen destruk­ti­ven, rück­wärts­ge­wand­ten Kräf­ten Tür und Tor.

Dinge und Lebens­be­din­gun­gen ändern sich jeden Tag. Wenn wir es nicht schaf­fen, offen bereits eta­blierte Mecha­nis­men zu hin­ter­fra­gen, bedeu­tet dies Still­stand und das aktive Leug­nen neuer, wis­sen­schaft­li­cher Erkenntnisse.

Frü­her war Ver­ge­wal­ti­gung in der Ehe straf­frei und erlaubt — heute zum Glück nicht mehr.

Das haben wir den Men­schen zu ver­dan­ken, die dafür laut­stark auf die Strasse gegan­gen sind und dafür ange­fein­det wurden.

Ich würde mir wün­schen, dass sich die Men­schen, die heute ande­ren Men­schen das Recht auf Selbst­be­stim­mung ver­weh­ren wol­len, sich noch ein­mal mit die­ser oder ähn­li­chen Situa­tio­nen kon­fron­tie­ren und ihre Hal­tung überdenken.

Danke.

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