Por­trait­se­rie: 3 Fra­gen an Ber­li­ner Aktivist*innen

Magda Albrecht

#sicht­bar­so­li­da­risch

Magda Albrecht #sichtbarsolidarisch

Sicht­bar soli­da­risch! Lesbisch*.Sichtbar.Berlin stellt 3 Fra­gen an Ber­li­ner Aktivist*innen. Die Viel­falt und die lange Geschichte des les­bi­schen* und quee­ren Akti­vis­mus in Ber­lin beruht auf dem gro­ßen Enga­ge­ment vie­ler Men­schen. Mit unse­rer Por­trait­se­rie möch­ten wir einige von ihnen würdigen.

 

Name: Magda Albrecht

 

Kurz­vor­stel­lung

Magda Albrecht ist Autorin, Musi­ke­rin und in der poli­ti­schen Bil­dungs­ar­beit tätig. Sie arbei­tet zu queer­fe­mi­nis­ti­schen The­men mit einem Schwer­punkt auf Kör­per­nor­men und Gewichtsdiskriminierung.

 

Was bedeu­tet les­bi­sche* Sicht­bar­keit für dich?

Bei les­bi­scher Sicht­bar­keit wün­sche ich mir nicht nur, dass ein paar mehr Les­ben auf Bro­schü­ren abge­bil­det wer­den. Les­bi­sche Vor­bil­der geben Mut und ver­än­dern die Seh­ge­wohn­hei­ten, aber der gesell­schaft­li­che Wan­del erfolgt maß­geb­lich auf ande­ren Ebe­nen: Es braucht Gel­der, Räume, poli­ti­schen Ein­fluss und Ent­fal­tungs­mög­lich­kei­ten in lesbisch/queerer Hand.

 

Wel­che Idee wür­dest du gerne verwirklichen?

Eine große Idee oder viel­mehr mein Wunsch ist, dass nie­mand in Armut leben muss: Armut ver­hin­dert Teil­habe und Selbst­be­stim­mung, geht mit Aus­beu­tung und schlech­te­rer Gesund­heits­ver­sor­gung ein­her. Dabei ist auch Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­po­li­tik Teil von Armuts­be­kämp­fung: Wer geschlecht­lich und sexu­ell selbst­be­stimmt leben kann und von staat­li­cher Dis­kri­mi­nie­rung ver­schont bleibt, führt ein freie­res Leben — denn gesetz­li­che Ver­fah­ren wie z.B. die Stief­kind­ad­op­tion für lesbisch/queere Fami­lien oder das sog. Trans­se­xu­el­len­ge­setz sind nicht nur dis­kri­mi­nie­rend, son­dern auch oft lang­wie­rig und teuer. Eine kon­krete Idee, die ich sofort umset­zen würde, wäre eine Ver­mö­gens­ab­gabe für Super­rei­che und eine gerechte Ver­mö­gens- und Erb­schafts­steuer, um den gesell­schaft­li­chen Reich­tum umzu­ver­tei­len. Davon pro­fi­tie­ren auch viele Les­ben und Queers, weil sie über­pro­por­tio­nal von Woh­nungs­lo­sig­keit und Alters­ar­mut betrof­fen sind.

 

Deine Wün­sche an die Ber­li­ner LSBTIQ*-Community…

Mehr zu for­dern als bloße Reprä­sen­tanz oder Sicht­bar­keit! Ohne die soziale Frage zu stel­len, krat­zen queere For­de­run­gen oft­mals nur an der Ober­flä­che eines kapi­ta­lis­ti­schen Sys­tems, in dem wohl­ha­bende Les­ben und Queers sich ein gutes Leben machen kön­nen, aber die Mehr­heit der Com­mu­nity auf der Stre­cke bleibt. Les­ben waren schon immer rebel­lisch, haben sich gegen Aus­gren­zung, Ras­sis­mus, das ein­engende, binäre Geschlech­ter­sys­tem und (staat­li­che) Unter­drü­ckung gestellt sowie Aus­beu­tung nicht akzep­tiert. In die­ser Tra­di­tion ver­haf­tet wün­sche ich mir eine kämp­fe­ri­sche, laute queere Com­mu­nity. Die Ber­li­ner Regie­rung mag pro­gres­siv sein, aber braucht auch queer­po­li­tisch mehr Dampf. Die mas­sive Schief­lage in der Ver­tei­lung von För­der­gel­dern und Räu­men allein inner­halb der quee­ren Com­mu­nity ist ein abso­lu­tes Unding — les­bi­sche und trans* Pro­jekte, beson­ders jene, die inter­sek­tio­nal arbei­ten, haben nur einen Bruch­teil der Res­sour­cen zur Ver­fü­gung, die z.B. schwule Pro­jekte haben. Selbst­ver­ständ­lich sol­len keine Res­sour­cen von schwu­len Pro­jek­ten abge­zo­gen wer­den, son­dern wir soll­ten alle gemein­sam dafür kämp­fen, dass les­bi­sche und trans* Pro­jekte die För­de­rung und vor allen Din­gen Ver­ste­ti­gung bekom­men, die sie benö­ti­gen und verdienen.

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