Por­trait­se­rie: 3 Fra­gen an Ber­li­ner Aktivist*innen

Vero­nika Gräwe 

#sicht­bar­so­li­da­risch

Veronika Gräwe #sichtbarsolidarisch

Sicht­bar soli­da­risch! Lesbisch*.Sichtbar.Berlin stellt 3 Fra­gen an Ber­li­ner Aktivist*innen. Die Viel­falt und die lange Geschichte des les­bi­schen* und quee­ren Akti­vis­mus in Ber­lin beruht auf dem gro­ßen Enga­ge­ment vie­ler Men­schen. Mit unse­rer Por­trait­se­rie möch­ten wir einige von ihnen würdigen.

 

Name: Vero­nika Gräwe 

 

Kurz­vor­stel­lung

Ich bin Vero­nika Gräwe. Ehren­amt­lich und akti­vis­tisch bin ich bei #OutInChurch aktiv und war von 2021 bis 2022 Co-Spre­che­rin des Katho­li­schen LSBT+ Komi­tees. Ich bin eine der Mitherausgeber*innen des Sam­mel­ban­des „#OutInChurch. Für eine Kir­che ohne Angst“, in dem Per­so­nen aus dem Netz­werk von #OutInChurch ihr Erfah­rungs­wis­sen als katho­li­sche LSBTIQ* Per­so­nen tei­len und theo­lo­gi­sche Per­spek­ti­ven auf Queerness&Kirche beleuch­tet wer­den. Aktu­ell pro­mo­viere ich an der Phi­lo­so­phisch-Theo­lo­gi­schen Hoch­schule Sankt Geor­gen in Pas­to­ral­psy­cho­lo­gie. Im Rah­men mei­nes Dis­ser­ta­ti­ons­pro­jek­tes beschäf­tige ich mich mit der Frage, wie junge christ­li­che oder christ­lich sozia­li­sierte LSBTIQ* Per­so­nen Reli­gion erleben.

 

Was bedeu­tet les­bi­sche* Sicht­bar­keit für dich?

Sicht­bar­keit ist enorm wich­tig. Wich­tig ist auch, dass sicht­bar wird, wie viel­fäl­tig les­bi­sche* Leben sind. Ich selbst würde mich als non­bi­nary les­bian bezeich­nen. Les­bi­sche* Sicht­bar­keit sollte auch Les­bisch­sein* jen­seits einer binä­ren cis­nor­ma­ti­ven Geschlech­ter­ord­nung abbil­den. Auch wei­tere For­men les­bi­schen* Lebens soll­ten sicht­bar sein, etwa Aspekte von Klasse. Ich selbst bin Care­leaverin und enga­giere mich für die Rechte von Careleaver*innen. Careleaver*innen sind Per­so­nen, die ihre Kind­heit und Jugend in Wohn­grup­pen, Hei­men oder Pfle­ge­fa­mi­lien ver­bracht haben. Die Geschich­ten les­bi­scher Careleaver*innen und quee­rer Careleaver*innen sind noch kaum erzählt. Auch Les­ben* mit Behin­de­rung sind auch inner­halb der Com­mu­nity viel zu oft noch unsicht­bar. Sicht­bar zu wer­den macht aber auch vul­nera­bel. Wenn frau* sehr per­sön­li­che und viel­leicht auch schmerz­hafte Aspekte ihrer Iden­ti­tät und Bio­gra­fie teilt, wird dem nicht immer wert­schät­zend begeg­net. Gerade wenn Per­so­nen mit ihrem sicht­bar wer­den an bestimm­ten Nor­men krat­zen und inter­sek­tio­nale Mar­gi­na­li­sie­rungs­er­fah­run­gen im Spiel sind, kann Les­ben* Ableh­nung, Stig­ma­ti­sie­rung oder sogar Hass begeg­nen. Damit Sicht­bar­keit gelingt, braucht es auch den Sup­port aus der Community.

Ich finde sicht­bar zu sein kann auch ein christ­li­cher Akt sein: Wenn ich sicht­bar werde, dann auch für andere. Damit andere nach mir es hof­fent­lich leich­ter haben. Bei #OutInChurch haben wir gesagt, wir wagen das Com­ing-out auch in Soli­da­ri­tät mit allen, für die ein Com­ing-out noch nicht mög­lich ist.

 

Wel­che Idee wür­dest du gerne verwirklichen?

Breite Bünd­nisse für eine viel­fäl­tige Gesell­schaft schmie­den, in denen sich unter­schied­li­che von Mar­gi­na­li­sie­rung betrof­fene Com­mu­nities gegen­sei­tig sup­por­ten und mit­den­ken. In der Mar­gi­na­li­sie­rung und Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund von race, Klasse, Behin­de­rung oder auch Reli­gion gemein­sam und Com­mu­nity über­grei­fend bear­bei­tet werden.

 

Deine Wün­sche an die Ber­li­ner LSBTIQ*-Community…

Ich wün­sche mir eine Com­mu­nity, die mehr Inter­sek­tio­na­li­tät wagt und auch kri­tisch reflek­tiert, wo sie selbst viel­leicht Ableis­mus oder Klas­sis­mus mit­trägt, oder anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus und Anti­se­mi­tis­mus repro­du­ziert. Da geht es dann auch um Reprä­sen­ta­tion und Diver­si­tät zum Bei­spiel in Gremien.

Mit Blick auf Reli­gion wün­sche ich mir einen acht­sa­men Umgang mit­ein­an­der. Wir soll­ten acht­sam mit den Ver­let­zungs­ge­schich­ten umge­hen, die Queers in reli­giö­sen Kon­tex­ten und viel zu oft auch in ihren reli­giö­sen Fami­lien zuge­fügt wur­den. Gleich­zei­tig soll­ten wir auch acht­sam dafür sein, dass Reli­gion für Queers auch eine wich­tige Res­source und Teil ihrer Iden­ti­tät sein kann. Da wün­sche ich mir, dass Stim­men, die reli­giö­sen Queers einen kran­ken Selbst­hass unter­stel­len, weil sie eine Reli­gion prak­ti­zie­ren, der Ver­gan­gen­heit angehören.

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