Por­trait­se­rie: 3 Fra­gen an Ber­li­ner Aktivist*innen

Teil 8: Julia Ehrt 

#sicht­bar­so­li­da­risch

Julia Ehrt #sichtbarsolidarisch

Sicht­bar soli­da­risch! Lesbisch*.Sichtbar.Berlin stellt 3 Fra­gen an Ber­li­ner Aktivist*innen. Die Viel­falt und die lange Geschichte des les­bi­schen* und quee­ren Akti­vis­mus in Ber­lin beruht auf dem gro­ßen Enga­ge­ment vie­ler Men­schen. Mit unse­rer Por­trait­se­rie möch­ten wir einige von ihnen würdigen.

 

Name: Julia Ehrt

 

Kurz­vor­stel­lung

Mein Name ist Julia Ehrt, und ich setze mich seit ca. 20 Jah­ren für die Rechte von LSBTIQ Men­schen ein. Nach anfäng­li­chen 10 Jah­ren ehren­amt­li­chen Enga­ge­ments in regio­na­len, natio­na­len und euro­päi­schen Kon­tex­ten habe ich mein Enga­ge­ment zu mei­nem Beruf gemacht. Ich war Geschäfts­füh­re­rin von Trans­gen­der Europe, Pro­gramm­di­rek­to­rin von ILGA World und bin seit Novem­ber 2021 die Geschäfts­füh­re­rin von ILGA World. Für und mit unse­rer glo­bal ver­netz­ten LSBTI Bewe­gung und den über 1700 Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen von ILGA zu arbei­ten ist eine rie­sen Auf­gabe und auch ein gro­ßes Privileg.

 

Was bedeu­tet les­bi­sche* Sicht­bar­keit für dich?

Als ziem­lich sicht­bare und eher nicht «pas­sende» Trans­frau muss ich um meine eigene les­bi­sche Sicht­bar­keit oft kämp­fen. Viele Men­schen sehen eben erst mal die Trans­frau in mir und bes­ten­falls an zwei­ter Stelle die Lesbe. Für mich sind die bei­den Aspekte mei­ner Iden­ti­tät natür­lich nicht trenn­bar. Für mich ist es wich­tig sowohl als Trans­mensch als auch als Lesbe sicht­bar zu sein. Damit unter­strei­che ich die Bedeu­tung von trans Sicht­bar­keit in les­bi­schen Kon­tex­ten. Les­ben und auch les­bi­sche The­men sind oft wenig sicht­bar im LSBTI Akti­vis­mus. Wie in der Gesell­schaft ist es in der LSBTI Bewe­gung nicht anders: wir haben mit den bestehen­den Sexis­men und Miso­gy­nie zu kämpfen.

 

Wel­che Idee wür­dest du gerne verwirklichen?

Ich möchte die Frau­en­be­we­gung quee­rer machen und die LSBTI Bewe­gung femi­nis­ti­scher. Letzt­end­lich haben wir ohne­hin die glei­chen Anlie­gen: die Über­win­dung eines Geschlech­ter­mo­dells in dem es nur zwei Optio­nen «Mann» und «Frau» gibt und in dem der Kör­per über die Geschlech­ter­rol­len und Geschlechts­iden­ti­tät bestimmt.

 

Deine Wün­sche an die Ber­li­ner LSBTIQ*-Community…

Ich wün­sche mir von der Ber­li­ner LSBTIQ Com­mu­nity, dass wir uns der Aus­schlüsse, Ras­sis­men, Sexis­men die wir sel­ber pro­du­zie­ren und ver­in­ner­licht haben stär­ker bewusst wer­den. Es muss darum gehen diese oft erlern­ten Mus­ter wie­der zu ver­ler­nen – das ist mei­ner Mei­nung nach sowohl ein per­sön­li­cher wie auch ein kol­lek­ti­ver Pro­zess. Das ist nicht immer ganz ein­fach – oft auch schmerz­haft. Es ist aber not­wen­dig – denn wie kön­nen wir als Bewe­gung Akzep­tanz und Gleich­be­rech­ti­gung ein­for­dern wenn wir selbst nicht danach leben?

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