Drei Fragen an Til Fox

Ich bin Model, Aktivist, Preisträger*in für den Berliner Preis zu Lesbischer* Sichtbarkeit 2026 und Gründer des BUTCH*WALKs – einer queeren Fashion Show, die das BUTCH-Sein in all seiner Vielfalt, Schönheit und Stärke feiert und neu sichtbar macht. Jeder Körper ist anders. Jeder trägt, was mensch liebt. Kleidung hat kein Geschlecht.

Was bedeutet lesbische und queere Sichtbarkeit für dich?
Lesbische* und queere Sichtbarkeit bedeutet für mich, Räume zu schaffen, in denen wir uns nicht erklären oder anpassen müssen. Sichtbarkeit ist nicht nur Repräsentation – sie ist Begegnung, Erinnerung, Schutz und Selbstermächtigung. Gerade Butches, Dykes und maskuline lesbische Identitäten wurden oft übersehen oder stereotyp dargestellt. Mit dem BUTCH*WALK möchte ich zeigen, wie vielfältig, kreativ, sexy, politisch und stark unsere Community ist.

Sichtbarkeit bedeutet für mich auch, generationsübergreifend Verbindungen zu schaffen und queere Geschichte lebendig zu halten – besonders in einer Stadt wie Berlin, die von queeren Kämpfen und Freiräumen geprägt wurde.

Welche Idee würdest du gerne (in Berlin) verwirklichen?
Ich wünsche mir einen dauerhaften lesbisch-queeren Kulturort in Berlin – einen Raum für Mode, Kunst, Performance, Film, Diskussionen und Begegnungen. Einen Ort, an dem insbesondere lesbische*, trans*, nichtbinäre sowie butch/femme Perspektiven sichtbar werden und gemeinsam Neues entstehen kann.

Ich möchte den BUTCH*WALK weiter ausbauen: nicht nur als Fashion Show, sondern als Plattform für Community, politische Sichtbarkeit und kreative Zusammenarbeit. Außerdem träume ich von einem queeren Film- und Kulturfestival mit Fokus auf BUTCH-, Dyke- und queere Modekultur, das internationale Perspektiven mit Berliner Community verbindet.

Was sind deine Wünsche an die Berliner LSBTIQ+ Community?
Unsere Community hat die große Chance, es anders zu machen als die Gesellschaft – liebevoller, wertschätzender und inklusiver. Aber das gelingt nur, wenn wir aufhören, einander auszuschließen. Gerade deshalb dürfen wir nicht wegsehen, wenn Neid, Konkurrenz oder toxisches Verhalten uns spalten.

Ich wünsche mir mehr Solidarität zwischen den unterschiedlichen Teilen unserer Community, mehr Zuhören und mehr gegenseitige Unterstützung – über Szenen und Generationen hinweg. Das geht nur, wenn wir uns gegenseitig sehen, hören und halten.

Ich wünsche mir eine Community, die nicht nur bunt ist, sondern auch mutig: im Zuhören, im Mitnehmen und im Aufeinander-Zugehen. Eine Community, die aufhört zu labeln und andere abzuwerten – und stattdessen Räume schafft, in denen Menschen sich frei entfalten können. Besonders wichtig ist mir, dass lesbische* Perspektiven sichtbar bleiben und weiterhin Raum bekommen.

Hier gehts zum BUTCH*WALK: https://www.butchwalk.com/