Margo Damm (keine Pronomen) ist in der intersektionalen Gleichstellungsarbeit tätig, arbeitet freiberuflich als Bildungsreferent*in zu Themen der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt und ist ehrenamtlich im Vorstand vom LesbenRing e.V. Außerdem hostet Margo mit Dan zusammen den Podcast Between Dykes, der persönliche Denkfallen und Muster aus einer queeren Perspektive reflektiert und versucht, Zusammenhänge zwischen persönlichem und politischem herzustellen.
Was bedeutet die Sichtbarkeit von lesbisch*-queeren Perspektiven für dich, die von Mehrfachdiskriminierung und Marginalisierung betroffen sind?
Lesbische* und queere Sichtbarkeit ist für mich gerade ambivalent besetzt. Sie ist zunächst eine Frage des Privilegs: Wer hat gerade überhaupt die Sicherheit, sichtbar sein zu können? Gleichzeitig ist Sichtbarkeit Widerstand, gerade weil sie aktuell so massiv verhindert werden soll. Und sie ist Empowerment: wir lassen sie uns nicht nehmen. Was ich dabei nicht aus dem Blick verlieren will: Queere und vor allem lesbische* Repräsentation ist plural, intersektional und nicht binär, und das müssen wir auch zeigen, auf Veranstaltungen, Demos, Partys, in den sozialen Medien.
Welche Idee würdest du gerne (in Berlin) verwirklichen?
Was ich gerade am dringendsten brauche – und vermisse – sind Dialogräume, digital und analog. Räume, um miteinander zu sprechen, zu debattieren, auch zu streiten und ins Handeln zu kommen. Ich habe das Gefühl, wir verlieren gerade die Fähigkeit, miteinander zu reden und im Gespräch zu bleiben, anstatt nur Positionen gegeneinander zu stellen. Das will ich nicht hinnehmen. Ich möchte kollektiv erkunden, wie wir Ressourcen freilegen können, um im Gespräch zu bleiben, nicht um uns immer einig zu sein, sondern um gemeinsam handlungsfähig zu werden. Angesichts des massiven Rechtsrucks brauchen wir Aktivismus. Und der entsteht durch Austausch, um dann handlungsfähig zu werden und zu bleiben.
Deine Wünsche an die Berliner LSBTIQ*-Community…
Ich wünsche mir mehr Offenheit, Fehlerfreundlichkeit und kritische Selbstreflexion. Dass wir als lesbisch-queere Communities wieder mehr ins Miteinander und ins gegenseitige Lernen kommen: generationsübergreifend, intersektional, interdisziplinär. Das bedeutet vielleicht, den eigenen Safe Space ein Stück weit zu verlassen. Ich weiß, dass das bedrohlich klingt, wenn Sicherheit gerade nichts ist, das uns staatlich oder gesellschaftlich versprochen wird. Aber mit Sara Ahmed gesprochen: Solidarität bedeutet nicht, dass unsere Kämpfe identisch sind, unser Schmerz derselbe oder unsere Hoffnung dieselbe. Solidarität bedeutet Einsatz und Arbeit und die Anerkennung, dass wir gemeinsame Ansprüche teilen, auch wenn wir unterschiedliche Leben leben und unterschiedlich darin positioniert sind. Genau das wünsche ich mir: dass wir uns trauen, in die Aushandlung zu gehen, Unterschiedlichkeit auszuhalten und dabei immer wieder zu fragen: Was weiß ich vielleicht noch nicht? Welche Perspektive habe ich noch nicht eingenommen?
(Angelehnt an Zitat von Ahmed: “Solidarity does not assume that our struggles are the same struggles, or that our pain is the same pain, or that our hope is for the same future. Solidarity involves commitment, and work, as well as the recognition that even if we do not have the same feelings, or the same lives, or the same bodies, we do live on common ground.” (S. Ahmed))
Link zum Podcast Between Dykes: https://linktr.ee/between.dykes?utm_source=linktree_profile_share
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